Pro & Kontra

Mit Homöopathie den Antibiotikaeinsatz reduzieren?

Als Alternative zu Antibiotika wird oft der Einsatz von Homöopathie empfohlen. Kann man mit Globuli wirklich den Antibiotikaeinsatz reduzieren?

Pro: Reto Burkhardt, Leiter Kommunikation bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP)
Der Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung steht unter Dauerbeobachtung, auch wenn in den vergangenen zehn Jahren der Verbrauch deutlich reduziert werden konnte. 
Wir sind keine «Globuli-Päpste», doch komplementär-medizinische Methoden wie Homöopathie können unter Umständen eine gute Alternative bieten, den Antibiotikaverbrauch weiter zu reduzieren. Die Homöopathie verfährt nach einem ganzheitlichen Ansatz. 
Die Komplementärmedizin hat Vorteile: Es dürfen keine Antibiotika verkauft und eingesetzt werden, die Methoden müssen für den Tierhalter ebenfalls Resultate erbringen, und es bestehen im Gegensatz zu Antibiotika keine Absetzfristen.
Deshalb hat der Vorstand der SMP beschlossen, ihren Produzenten ab 2019 einen vereinfachten und verbilligten Zugang zu einer komplementärmedizinischen Beratung zu ermöglichen.

Kontra: Hanspeter Nägeli, Leiter des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie an der Universität Zürich
Das ist Quatsch. Den Einsatz von Homöopathie kann ich grundsätzlich nur begrüssen, wenn der Zweck die Unterstützung der Spontanheilung ist. Es ist ein Gebot der Stunde, Antibiotika sorgfältig einzusetzen und den Verbrauch zu reduzieren. Aber Tierärzte können das Problem des hohen Antibiotikaverbrauchs in der Nutztierhaltung nicht alleine lösen. Dafür muss die Landwirtschaftsbranche ihre Tierhaltung anpassen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass man mit Homöopathie den Antibiotikaverbrauch reduzieren könne, und bei der Nutztierhaltung bleibe alles wie gehabt.
Oft wird bei der Homöopathie vom Placeboeffekt gesprochen, dieser wirkt natürlich auch in der Nutztierhaltung – und über den Tierhalter: Er bemüht sich mit Empathie um sein krankes Tier und gibt ihm grösstmögliche Zuwendung. Das betrifft aber nicht den Einsatz von Kügeli, sondern die Änderung der Haltungsform, der Fütterung und der Hygiene. So kommt die Selbstheilung des Tiers zum Tragen. Das ist wirksame Antibiotikaprävention.

Lesen Sie die vollständige Diskussion in der LANDfreund-Ausgabe 07/2018. Sie haben den LANDfreund noch nicht abonniert? Dann profitieren Sie vom kostenlosen Probeabo.