Swiss Black Angus

Plädoyer für die Kuh, Weidehaltung und Zweinutzungsrind

Für einmal war das Forum 3.1 an der Tier&Technik voll besetzt. Angekündigt war Anita Idel. Für die Autorin des Buches „Die Kuh ist kein Klimakiller“ ist die Kuh ein globaler Landschaftsgärtner, die für Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität sorgt.

Es gibt keinen besseren Graslandverwerter als die Kühe. Warum stehen die Kühe als Klimakiller am Pranger? Irrt sich die Forschung? Ja, wenn sie vom einem unzureichendem Forschungsdesign ausgeht und nur den Methanausstoss misst. Beispielsweise bei rüplsenden Kühen – und dem damit einhergehenden Fehlschluss „je weniger Kühe, desto besser für das Klima“. „Man muss aber das ganze System verstehen, das auf einer Symbiose von Beweidung und Grasland beruht. Die Kuh ist kein Klimakiller – im Gegenteil“, erklärte Anita Idel in ihrem Referat am Tier&Technik-Forum in St. Gallen.

„Grasland speichert bis zu 50% mehr Kohlenstoff als Waldböden und ist auch heute noch das grösste Biom und die grösste Perma- und Mischkultur. Dieses Potenzial der nachhaltigen Beweidung wird auch von den Klimaaktivisten kaum anerkannt“, sagt die deutsche Tierärztin und Mediatorin. Beweidung fördert die Photosyntheseleistung und die Gräser erhalten dadurch Wachstumsimpluse, hingegen entsteht im Wald durch Verbiss ein Wachstumsstopp.

Das Grasland macht weltweit 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus, entstanden ist es in Jahrtausend langer Koevolution mit Weidetieren. So sind die fruchtbaren Schwarzerdeböden entstanden. Wiederkäuer wandeln in Symbiose mit ihren Pansenmikroorganismen Weidefutter zu Milch und Fleisch um. Deshalb sind sie prädestiniert zur Nutzung derjenigen Böden, die nicht beackert, aber durch Beweidung vor Erosion geschützt werden können. Das funktioniert aber nur mit nachhaltiger Weidenutzung und Zweinutzungsrassen, so Idel und nicht auf kraftfutterbasierter Fütterung und Stallhaltung.

Wurzeln von heute sind der Humus von Morgen

Und das Fazit: Die feinen Wurzeln der Gräser sind der Humus von Morgen. Unterirdische Verrottung ist eine verlust- und emissionsarme Bodenbildung. „Darum sind Rinder unverzichtbar für die Welternährung - durch ihren Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Begrenzung des Klimawandels“, sagt Idel. Graslandgestützte Systeme sind resilient und Rinder bezeichnet Idel als globale Landschaftsgärtner.

Nicht vergessen darf man den Dung: Jede Kuh hinterlässt pro Jahr über 10 t Dung und fördert dadurch auf der beweideten Fläche rund 120 kg Insekten-Biomasse pro Jahr.

Organisiert hatte das Tier&Technik-Forum mit Anita Idel die Black-Angus-Vereinigung. Unter dem Label Swiss Black Angus (SBA) stellen die Züchter ein qualitativ hochwertiges Fleisch aus Mutterkuhhaltung für die Gastronomie und den Detailhandel her. Für die Teilnahme am Label gelten die üblichen IP-Suisse-Produktionsbedingungen wie Biodiversität, BTS/ Raus und der Rassennachweis über die TVD. Zurzeit bestehen 300 Produzentenverträge mit IP Suisse. „2019 wurden 2402 Ochsen und 644 Anguskühe vermarktet“, sagte SBA-Präsident Urban Dörig. Kaufen kann man dieses Labelfleisch bei der Migros Ticino, der Migros Aare, bei Fideco, Pistor und Webermeat online.