Startup

Schweinehalter testen Duftspender in Ställen

Eine junge Firma hat einen Duftdosierer für den Schweinestall entwickelt, der Duftliquids vernebelt. Zwölf Betriebe testen dies gerade. Der Duft soll förderlich für Gesundheit und Tierwohl sein.

Das Start-up "Farmercent" aus Osnabrück bietet Düfte für Ställe an. Dazu hat die Firma einen Diffusor entwickelt, der auf wenige Milliliter genau zu gewünschten Zeiten automatisch Duft dosiert und abgibt. Das soll die Stallhygiene verbessern, die Gesundheit fördern und Stress reduzieren.

Alle Konzentrate würden auf Wirkstoffe aus der Umwelt basieren, wie z.B. Lavendel und Eukalyptus. Mit besonderem Augenmerk auf Resistenzen wollen die Entwickler eine nachhaltige Lösung bieten, die funktioniert. Dazu schreibt die Firma auf ihrer Homepage: „Mit unserm Diffusor wollen wir Ihnen die Möglichkeit geben, noch weniger Medikamente einzusetzen. Unsere Liquids unterstützen ihre Tiere dabei, gesund zu bleiben.“

Der Diffusor wird in den Zuluftstrom des Stalles platziert. Er vernebelt feinste Mengen der Liquids in die Luft des Stalles. Das Gehäuse wird aus speziellem Kunststoff gefertigt und sei so extrem schlagfest und resistent gegenüber Ammoniak, heißt es. Im Stall müsse der Landwirt nur eine Halterung aus Profilen an die Wand schrauben. Durch seine Halterung hänge der Diffusor sicher in dieser Vorrichtung, könne bei Bedarf aber schnell entnommen werden. Durch eine 230V Steckdose wird er mit Strom versorgt und verrichtet automatisch seine Arbeit.

Unter dem Diffusor ist eine von Farmerscent konstruierte Düse platziert, die einen kaum sichtbaren Nebel erzeugt und die Liquids im ganzen Stall zerstäubt. Mit nur 0,5 Bar könne das Unternehmen so eine schonende, störungsfreie Vernebelung gewährleisten.

Das Control Panel ist der Kopf des Systems und dient als Steuerungseinheit für die Diffusoren. Mit nur einem Control Panel könne der Tierhalter beliebig viele Diffusoren verwalten und steuern. Für die Kommunikation zu den Diffusoren baut das Control Panel ein drahtloses Netzwerk im Stall auf. Lange Kabel entfallen hierdurch. Sind die Diffusoren und das Control Panel eingeschaltet, verbindet sich das System automatisch und man kann die Ausbringmenge und die Ausbringzeit variabel einstellen. Welches Liquid vernebelt wird, erkennt das Gerät dabei automatisch und stellt die wichtigsten Parameter der Vernebelung ein.

Für eine optimale Netzanbindung der Diffusoren, auch bei größeren Ställen, soll man das Netzwerk beliebig weit mit Repeatern der Firma ausbauen können. So bleibe das Control Tablet an einem zentralen Ort.

Liquid

Die Liquids werden in einer 250 ml Flasche geliefert und können in den Diffusor eingeschoben werden. Dieser erkennt automatisch, um welches Liquid es sich handelt und stellt die wichtigsten Parameter auf das Liquid ein. (Bildquelle: Pressebild)

Testbetriebe

Im Raum Osnabrück läuft aktuell in zwölf Betrieben eine Testphase für die Stallaromen, berichtet unterdessen der NDR. Landwirtin Gabriele Mörixmann aus Melle hat sich für einen Praxisversuch gemeldet. Laut dem Sender finde sie das Projekt ganz gut. Es sei zu beobachten, dass "die dann sehr interessiert an diesem Duft sind", wenn sie die Maschine anstelle, sagt Mörixmann. Und sie denkt weiter: Einige der 700 Schweine seien erkältet, da habe sie "auch schon überlegt, ob ich Eukalyptus-Minze reinhänge". Zudem wirke der Lavendelgeruch sehr beruhigend auf die Tiere.

Aus der Idee und ersten Erfahrungen könnte bald mehr werden. "So in einem halben Jahr planen wir, dass wir die Markteinführung hinlegen", sagt Victor große Macke. Der 24 Jahre alte Landwirt ist einer der beiden Erfinder der Duftmaschine für den Stall. "Irgendwann muss da ja auch mal ein bisschen Geld bei rumspringen." Die erste Idee sei ihm in seiner Ausbildung in einem Schweinebetrieb gekommen. "Da ist mir aufgefallen, dass Stress ein großer Faktor ist", so Große Macke. Man habe zwei Jahre lang viel experimentiert und sei mit den Ergebnissen "sehr zufrieden". Die Tests sollen jetzt auf Kälber und Geflügel ausgeweitet werden.


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