Tierhaltung

Sein Herz schlägt für die Eringer

Die Eringer – Kampfrasse und Statussymbol? Mitnichten! Jean-Baptiste Pralong aus Orsières (VS) melkt 40 Eringerkühe. Für ihn sind Eringer «Dreinutzungsrinder».

Tiefdunkle Augenpaare richten ihren Blick auf mich. Der Blick ist vital und wach. 100 Eringerkühe mit ihrem robusten Körperbau, kurzem Stockmass, dem dunklen rot bis schwarzen Fell stehen dicht gedrängt um mich herum. Ihre massigen Körper – die schwersten wiegen 800 kg – dampfen. Der Dampf ihres Atems nebelt mich ein. So dicht wirken ihre schön geschwungenen Hörner bedrohlich. «Es sind intelligente Tiere mit einem guten Gemüt», sagt Jean-Baptiste Pralong.

Die Kühe von insgesamt zehn Besitzern bestossen von Juni bis September die Alpe Plan-la-Chaux auf 2 041 m ü. M. oberhalb von Orsières im Unterwallis. Der Landwirt ist seit vier Jahren Präsident der Alpgenossenschaft wie zuvor schon sein Vater, Grossvater, Urgrossvater ... es sei immer so gewesen.

Er beobachtet die Herde, die sich nach dem Melken bergauf bewegt. Es ist 7 Uhr, und das Melken ist fertig. Alle 100 Kühe sind trächtig. Mitte August sind es noch gerade 40 Melkende. Gegen Ende der Alpzeit wird keine mehr gemolken. Dann bleiben sie den ganzen Tag auf der Weide und sind nur nachts im Stall.

hohe Verantwortung

Zwei Männer treiben die Tiere gemächlich in die Höhe. Die höchstgelegenen Weiden liegen auf 2 400 m ü. M. Ein Hirt stammt aus Rumänien, der andere aus Moldawien. Sie verbringen die Sommer seit Jahren auf der Alp. Ein anstrengender und verantwortungsvoller Job. Verantwortungsvoll deshalb, weil sie zu keinem Zeitpunkt die Tiere aus den Augen verlieren dürfen. Immer wieder kämpfen die Kühe. Das birgt Verletzungsgefahren – gerade im abschüssigen Gelände. Die Besitzer hängen an ihren wertvollen Tieren, das sie vertrauensvoll zum Sömmern in die Obhut von Jean-Baptiste und seine Hirten geben. Nicht alle sind Bauern. Einige halten die Tiere aus Liebe zur Rasse und Tradition, andere sehen sie als Statussymbol. Es geht um Ehre...